körpergerechte Büromöbel

Wer schon einmal auf einem durchschnittlichen Bürodrehstuhl gesessen hat, kennt das: den Hemdauszieheffekt. Er bezeichnet, was passiert, wenn sich jemand auf einem Bürostuhl lehnt, bei dem sich die Rückenlehne schneller nach hinten bewegt als die Sitzfläche nach vorn.

Peter Feldmann vom Büromöbelhersteller König + Neurath in Karben mag den harmlos klingenden Begriff überhaupt nicht: „Er verniedlicht ein ernstes Problem: Denn schlimmer als das verzogene Hemd ist die Rundrückenhaltung auf einem solchen Stuhl. Rückenschmerzen sind die Folge.“ Feldmann ist Ergonomiebeauftragter. „Ergonomie“ ist ein Kunstwort aus den griechischen Wörtern „ergon“ (Arbeit) und „nomos“ (Lehre, Gesetz) und befasst sich mit der optimalen Anpassung der Arbeit an die Eigenschaften und Fähigkeiten des arbeitenden Menschen.

„Der beste Stuhl nützt nichts, wenn der Mensch ihn nicht individuell einstellt und richtig Platz nimmt“, sagt Feldmann. Deshalb bietet sein Unternehmen nicht nur Büromöbel an, sondern auch Workshops zur Sitzeinweisung. „Grundsätzlich geht es darum, dass man sich mehr bewegt, schon auf dem Stuhl.“ Die gleiche Idee steckt auch hinter den Steh-Sitz-Arbeitstischen: Per Knopfdruck und Elektromotor lassen sie sich blitzschnell hochfahren.

Verordnung ist nicht überall Praxis

„Die Arbeitsmedizin empfiehlt Büronutzern, 20 Prozent der Zeit im Stehen zu arbeiten. Das dringt langsam auch zu den Unternehmen durch“, sagt Stephan Mieth, Geschäftsführer des Verbands Büro-, Sitz- und Objektmöbel (BSO). Kombinationen aus Schreibtisch und Stehpult sind daher derzeit auch stark gefragt.

Damit Computerarbeitsplätze der menschliche Anatomie angemessen sind, gibt es seit 1990 die Bildschirmarbeitsverordnung, der allerdings noch längst nicht alle Arbeitsplätze in Deutschland entsprechen. Nach einer Untersuchung des Deutschen Büromöbel Forums aus dem vergangenen Jahr sind in Deutschland 4,8 Millionen Büroarbeitsplätze mangelhaft. Die häufigsten Mankos: 74 Prozent der analysierten Bildschirme waren nicht in der richtigen Höhe, bei 66 Prozentspiegelte sich etwas auf dem Monitor, und ein Drittel der Arbeitstische und -stühle ließ sich nicht richtig einstellen.

Ergonomie erleichtert die Arbeit

„Wenn Büromöbel nicht optimal an den menschlichen Körper angepasst sind, kann es erst zu Verspannungen und langfristig zu Sehnenscheidenentzündungen und Bandscheibenschäden kommen“, sagt Ergonomieexperte Feldmann. „Mit dem Möbelkauf ist es aber längst nicht getan“, ergänzt der Arbeitswissenschaftler Dieter Lorenz von der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Er erinnert sich, wie er ein Unternehmen bei der Einführung von Stehpulten begleitete: „Als ich nach zwei Wochen wiederkam, standen Grünpflanzen darauf.“

Damit die Mitarbeiter ihr Verhalten ändern, müssten sie immer wieder für das Thema Ergonomie sensibilisiert werden: „Man muss genau erklären, dass Ergonomie kein Selbstzweck ist, sondern ihnen die Arbeit erleichtert.“

Talsohle bald durchschritten

Wegen der schwächelnden Konjunktur halten sich deutsche Unternehmen derzeit , in ergonomischen Büromöbel zu investieren. Im zweiten Jahr in Folge leiden die deutschen Büromöbelhersteller unter herben Umsatzverlusten: 2003 erwirtschafteten die Hersteller von Bürositzmöbel mit 468,5 Mio. Euro 14,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Produzenten von Büromöbeln wie Schreibtischen und Containern mussten bei einem Umsatz von 1,24 Mrd. Euro ein Minus von 18,5 Prozent hinnehmen. BSO-Geschäftsführer Mieth glaubt allerdings, dass die Talsohle bald durchschritten ist: „Der Investitionsstau bei den Unternehmern löst sich langsam auf.“ Die Gründe für seine Zuversicht: Zum einen verlangen neue Arbeitsstrukturen wie Teamarbeit und Desk-Sharing auch schlicht nach neuen Möbeln. Zum anderen wachse das Bewusstsein für Ergonomie in deutschen Büros langsam aber sicher.

Schließlich verstoßen schlechte Arbeitsbedingungen im Büro nicht nur gegen die Bildschirmarbeitsverordnung, sondern reduzieren auch die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter: Das belegt die Studie „Soft Success Factors“ des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) aus dem vergangenen Jahr. Die Untersuchung ist Teil des Forschungsprojekts Office 21 und hat 709 Büronutzer detailliert zum Zusammenhang zwischen ihrem Wohlbefinden und ihrer Leistungsbereitschaft gefragt. „Je wohler sich der Mensch im Büro fühlt, desto besser kann er arbeiten“, fasst Projektleiter Jörg Kelter das Ergebnis zusammen, „Eine angenehme Atmosphäre nützt also nicht nur dem Arbeitnehmer, sondern auch dem Arbeitgeber.“

Kleine Fitnesstipps fürs Büro

Bewegung Versuchen Sie, so oft wie möglich die Sitzposition zu ändern. Legen Sie kleine Bewegungspausen ein: Stehen Sie auf, gehen Sie umher, strecken Sie sich. Telefonieren Sie im Stehen. Seien Sie ein Zappelphilipp, denn Bewegung verlagert die Belastungen und sorgt für die Versorgung der Bandscheibe mit Nährstoffen. Machen Sie einige Dehn- und Streckübungen mit den Armen und Beinen, zum Beispiel wenn Sie am Kopierer, Drucker oder Faxgerät stehen.

Körperhaltung Sitzen Sie möglichst aufrecht und halten Sie den Kopf gerade. Die Sitzfläche sollte so hoch sein, dass Ihre Oberschenkel und Ihre Unterschenkel einen 90- bis 100-Grad-Winkel bilden. Ihre Fußsohlen sollten ganz auf dem Boden stehen. Ihr Becken sollte leicht nach vorne gekippt sein. Armlehnen entlasten Ihre Wirbelsäule, weil die Muskulatur nicht mehr das Gewicht der Arme tragen muss.

Augen Auch um die Augen zu entlasten, helfen ein paar einfache Übungen: ab und zu aus dem Fenster in die Ferne schauen oder die Lider für zwei Minuten schließen. Regelmäßiges Blinzeln verhindert, dass die Augen zu trocken werden. Auch Gähnen regt die Tränenflüssigkeit an.
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